Alpenluft

Ausgabe · Bildstrecke Allgäuer Alpen

AllgäuerBergwelt,von oben.

Oberstdorf liegt in einem Kessel, aus dem sechs Täler sternförmig weglaufen. Vom Boden siehst du immer nur eines davon. Aus der Luft siehst du, wie sie zusammenhängen.

Gestaffelte Bergrücken, die sich Schicht um Schicht in kühlem Dunst verlieren
Rücken hinter Rücken: Jeder Grat eine Spur heller als der davor — so ordnet sich die Tiefe, sobald du über der Kante stehst.Stimmungsbild
01Kapitel 01 — Der Kessel

Sechs Täler, ein Blick

Alpendorf mit Kirchturm in einem breiten Tal, ringsum steile bewaldete Hänge
Ein Talboden mit Dorf, Wiesen und Bach, gesehen von der Flanke darüber.Stimmungsbild

Vom Startplatz am Nebelhorn aus liegt das Illertal direkt unter dir. Nach Süden schiebt sich der Allgäuer Hauptkamm ins Bild — Trettachspitze, Mädelegabel, die Zacken, die man aus jedem Oberstdorfer Prospekt kennt, nur diesmal auf Augenhöhe statt im Gegenlicht. Nach Westen öffnet sich das Kleinwalsertal, nach Norden läuft die Iller hinaus, bis das Land flach wird.

Wer in Oberstdorf Urlaub macht, kennt am Ende der Woche drei, vier Wege: einmal zum Söllereck, einmal ins Trettachtal, einmal mit der Bahn aufs Fellhorn. Aus der Luft schrumpfen diese Wege auf ein paar Striche zusammen, und du siehst zum ersten Mal, wie nah sie beieinander liegen. Fast alle Gäste zeigen an dieser Stelle nach unten und rufen den Namen eines Hotels, eines Parkplatzes, einer Bank am Weg.

Das ist der Teil, den kein Foto vorwegnimmt: nicht die Höhe, sondern der Zusammenhang. Ein Tal, das man gelaufen ist, verstanden zu sehen — das bleibt länger als jeder Adrenalinstoss.

„Am Anfang schauen alle nach unten. Nach zwei Minuten schauen alle nach vorn."

02Kapitel 02 — Was unter dir liegt

Die Talböden

Wiesen, Weiler, ein Fluss, der sich durchschlängelt. Von oben ist ein Alpental erstaunlich ordentlich — jede Linie hat einen Grund, jede Hecke steht dort, wo der Hang kippt.

Blick von einer Bergflanke hinab auf ein Dorf zwischen Wiesen, Wald und einem Fluss
Ein Talboden von der Flanke aus — Wege und Felder ordnen sich zu einem Muster.Stimmungsbild
Hochalm mit verwittertem Holzstadel unter einer aufragenden Felswand
Almen zwischen den Felsbändern — Orte ohne Wanderweg, die man zu Fuss kaum sieht.Stimmungsbild

Die Almen dazwischen

Zwischen den Felsbändern liegen Flächen, auf denen im Sommer Vieh steht: ein Heustadel, ein Viehtritt, eine Quelle. Kein Weg führt vorbei, keine Seilbahn geht hin. Von oben liegen sie einfach da — und man versteht sofort, warum jemand vor dreihundert Jahren genau diese Stelle gewählt hat.

Verschneite Bergrücken im Winter, Wächten entlang des Grats, dunkle Felsbänder im Schnee
Im Winter verschiebt sich alles: weniger Farbe, härtere Kanten, klarere Luft.Stimmungsbild
Gemähte Talwiese mit Windsack am Rand, dahinter bewaldete Hänge und Berge
Der letzte Teil: eine grosse, ebene Wiese und ein Windsack, der die Richtung zeigt.Stimmungsbild

Und dann der Boden

Landen heisst nicht aufschlagen. Wir kommen flach über die Wiese herein, du streckst die Beine aus, zwei Schritte — fertig. Die meisten stehen danach eine Weile einfach da.

Die Berge ändern sichnicht. Der Blickdarauf schon.

Die Bilder auf dieser Seite sind Stimmungsbilder: Sie zeigen, wie diese Landschaft wirkt — nicht einen bestimmten Ort und keinen bestimmten Flug. Wie es wirklich ist, lässt sich ohnehin nicht fotografieren.